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Gosteli-Stiftung - Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung

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Sektionen

2014

Dezember

Mina Hofstetter (1883 – 1967)

Pionierin des biologischen Land- und Gartenbaus

mina-hofstetterNach einer schweren Krankheit wurde Mina Hofstetter in den 20er Jahren überzeugte Vegetarierin. Dies prägte ihre Arbeit als Bäuerin. Sie führte den 1915 erworbenen Hof zusammen mit ihrem Sohn, nachdem sich ihr Mann wieder dem Schreinergewerbe zugewandt hatte. 1922 stellte sie als Allererste in der Schweiz auf biologischen Landbau um. Obwohl sie auf Ablehnung stiess, liess sie sich nicht beirren. Ihre erste Publikation „Brot" erschien unter einem Pseudonym, und seine Verbreitung wurde vom damaligen Bauernsekretär verboten. 1929 startete Mina Hofstetter mit Bio-Landbaukursen und gründete 1936 eine Lehrstätte für biologischen Landbau, die zum Treffpunkt für Ernährungsreformer aus der ganzen Welt wurde.


gaestebucheintragGästebucheintrag aus Norwegen


November

Berta Rahm (1910-1998)

Architektin und Verlegerin

berta-rahmDie in St. Gallen geborene Berta Rahm studierte an der ETH Zürich Architektur. In ihrem Beruf musste sie als Frau um Anerkennung und Aufträge kämpfen, was sie bis vor Bundesgericht führte. Für die SAFFA (Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit) 1958 in Zürich entwarf sie die ersten Projekte. 1963 nahm sie in Paris an der Gründung der Union International Femmes Architectes teil und besuchte später deren Kongresse in Monte Carlo und Bukarest. Sie setzte sich für das Frauenstimmrecht ein und beteiligte sich 1969 am „Marsch auf Bern". Zermürbt vom Kampf um Aufträge als Architektin sattelte Berta Rahm 1967 um, gründete den Ala-Verlag und begann das Leben von in Vergessenheit geratenen Frauen zu erforschen. Sie publizierte Biografien und legte Texte neu auf, die ihr für die feministische Debatte wichtig erschienen.

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Oktober

Marie Tussaud-Grosholtz (1760-1850)

Gründerin des Wachsfigurenkabinetts in London

Marie Grosholtz verbrachte die ersten Jahre zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Onkel in Bern. Später folgte sie ihrem Onkel nach Paris, wo sie von ihm in die Kunst des Wachsmodellierens eingeführt wurde. Sie zeigte Talent und schon bald übertrafen ihre Figuren die ihres Onkels bei weitem. Ab 1780 arbeitete Marie Grosholtz am Hof von Versailles als private Kunstlehrerin der Schwester von Louis XVI. Zu Beginn des Jahres 1789 kehrte sie auf Wunsch ihres Onkels nach Paris zurück, der ins Ausland reiste und ihr die Führung seiner Studios und seines Museums überliess. Nach Ausbruch der Revolution war sie als ehemalige Hofdame sehr gefährdet. Sie wurde gefangen genommen und gezwungen, die Köpfe der guillotinierten Königsfamilie und Adligen zu Propagandazwecken nachzuformen. Nach ihrer Freilassung kehrte sie zu den Studios ihres Onkels zurück, der inzwischen verstorben war.
1802 schiffte die inzwischen verheiratete Marie Tussaud-Grosholtz ihre Wachsfiguren nach England ein und veranstaltete Ausstellungen in Grossbritannien und Irland. 1835 eröffnete sie eine der grössten Sehenswürdigkeiten Londons, das Wachsfigurenkabinett „Madame Tussaud's".

September

Maria Felchlin (1899-1987)

Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht und eine der ersten selbständig praktizierenden Ärztinnen der Schweiz

maria-felchlinMaria Felchlin führte in Olten eine Arztpraxis. Während des 2.Weltkrieges wirkte sie als Sanitätsoberleutnant des Luftschutzes. Für ihre Verdienste bekam sie die Henri-Dunant-Medaille.
Nach dem Krieg reorganisierte sie, zusammen mit Ida Somazzi, die Arbeitsgemeinschaft Frau und Demokratie. Nach dem Tod von Ida Somazzi gründete Maria Felchlin die Dr.-Ida-Somazzi-Stiftung, die für herausragende Leistungen in der Frauenförderung den Ida-Somazzi-Preis vergibt.
Neben ihrem beruflichen Engagement betätigte sich Maria Felchlin auch sportlich und kulturell, unter anderem als Pistolen-Schützin, als Autorin des Gedichtbandes „Poetische Mixturen" und als Keramikexpertin. Sie befasste sich mit der Solothurner Keramik und publizierte ihre Forschungsergebnisse dazu in dem Band „Das Arkanum der Matzendorfer Keramiken". Während 25 Jahren arbeitete sie als Redaktorin der Oltner Neujahrsblätter.

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August

Helene von Mülinen (1850-1924)

„Und wenn Sie mich erschrocken fragen, ob wir Frauen etwa gar glauben, es könnte in ferner Zukunft einmal jemand von uns Bundesrat werden, so möchte ich die Gegenfrage stellen: Warum nicht?“
Zitat von Mülinen aus einem Vortrag von 1908

Helene von Mülinen stammte aus einem alten Patriziergeschlecht. Ein Studium wurde ihr verwehrt, worunter sie ein Leben lang litt. Durch ihre Freundschaft mit Emma Pieczynska-Reichenbach wurde sie in der Frauenbewegung aktiv. Sie gründeten gemeinsam soziale Werke, wie das Frauenheim „Daheim“ und die Soziale Käuferliga. 1896 riefen sie die „Frauenkonferenzen Bern“ ins Leben und organisierten den ersten Frauenkongress in Genf. Dieser Kongress leitete die Gründung des Bundes schweizerischer Frauenvereine (BSF) ein, der 1899 auf den berühmten Aufruf von Helene von Mülinen hin gegründet wurde. Bis 1904 präsidierte sie den BSF und blieb bis 1920 in dessen Vorstand. Von Mülinens Forderungen - die Wählbarkeit der Frauen in Schul- und Armenbehörden oder eine bessere Berufsausbildung der Mädchen - waren damals revolutionär.

Juli

Emma Stämpfli-Studer (1848-1930)

Zusammen mit ihrem Mann Karl Stämpfli gründete Emma Stämpfli-Studer eine Kinderkrippe in der Berner Länggasse und amtete lange Jahre als deren Präsidentin. 1907 initiierte sie den Schweizerischen Zentralkrippenverein, den Vorgänger des heutigen Verbandes Kindertagesstätten Schweiz (KiTaS). Neben ihrem Engagement als Pionierin des Kinderkrippenwesens übernahm sie als 46-Jährige nach dem frühen Tod ihres Mannes die Geschäftsleitung der Berner Druckerei Stämpfli & Cie mit mehr als 100 Mitarbeitern. 1895 errichtete sie im Andenken an ihren Mann eine Kranken-, Invaliden- und Sterbekasse, was für diese Zeit bemerkenswert war. Weiter rief sie einen Mädchenhort ins Leben und arbeitete im Zentralvorstand von Pro Juventute mit.

Juni

Anna Mürset (1887-1975)

Mürset hatte die Soziale Frauenschule in Zürich besucht, bevor sie 1923 die Leitung der neu gegründeten Zentralstelle für Frauenberufe übernahm. 1943 wurde die Zentralstelle für Frauenberufe unter Mürset’s Leitung im Bund Schweizerischer Frauenvereine als „Abteilung Frauenberufe“ integriert. Anna Mürset kämpfte als Fachexpertin für Frauenberufsfragen in verschiedenen nationalen und internationalen Kommissionen für Chancengleichheit im Berufsleben.

Mai

Lina Bögli (1858-1941)

lina_boegli.jpg„...Aber uns Frauen sind die Schranken so eng gezogen, dass man sich nicht gehörig rühren kann, ohne dagegen anzuprallen. Ja, ein Mann zu sein, das wäre Freiheit! Was ich wohl tun würde, wenn ich ein Mann wäre? Gewiss grosse Reisen machen, um die Welt und die Menschen kennenzulernen.“

Am 12. Juli 1892 bestieg Lina Bögli in Krakau den Schnellzug, um eine Reise um die Welt anzutreten. Vorher hatte die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Schweizerin als Zimmer- und Kindermädchen in Neapel und als Erzieherin in einer polnischen Adelsfamilie gearbeitet. Während 10 Jahren bereiste Lina Bögli Australien, Neuseeland, Hawaii, die USA und Kanada. Um jeweils die Weiterreise zu finanzieren, liess sie sich an Schulen und bei reichen Familien für einige Monate als Sprachlehrerin anstellen. Nach ihrer Rückkehr verfasste sie den Reisebericht „Vorwärts“, der in neun Sprachen übersetzt wurde. 1910 brach sie noch einmal für drei Jahre nach Japan und China auf und hielt ihre Erlebnisse in „Immer vorwärts“ fest.

April

Helen Ellis-Daepp (1913-2002)

helen_ellis_daepp.jpgging als 19-jährige in ein Quäker College nahe Birmingham um Englisch zu lernen. Nach ihrer Rückkehr besuchte sie die soziale Frauenschule in Zürich. Nach verschiedenen Arbeitsstationen zog sie mit ihrem Ehemann, dem Engländer Fred Ellis, nach Grossbritannien. Dort arbeitete sie nach dem 2. Weltkrieg im Folkstone Kent Committee for the welfare of immigrants. Helen Ellis-Daepp betreute in dieser Funktion ankommende Gastarbeiter und Au Pair Mädchen und half ihnen beim Erledigen der Behördengänge. 1967 erhielt Helen Ellen-Daepp für ihre Arbeit einen Orden von der englischen Königin.

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März

Emma Graf (1865-1926)

emma_graf.jpgAls Weissnäherin unterstützte die gebürtige Langenthalerin ihre früh verwitwete Mutter. Später machte sie die Ausbildung zur Primar-, Sekundar- und Seminarlehrerin und doktorierte 1901 in Philosophie.
Emma Graf unterrichtete als erste Frau am Lehrerinnenseminar Bern wissenschaftliche Fächer.
Sie amtierte als Präsidentin des Schweizerischen Lehrerinnenvereins und engagierte sich für die wirtschaftliche und rechtliche Gleichstellung der Lehrerinnen.
Aber auch die politische Gleichberechtigung war ihr wichtig. Ab 1912 setzte sie sich im Kanton Bern für das Frauenstimm- und -wahlrecht ein und focht besonders für die Annahme einer kantonalbernischen Initiative 1916.

Weitere Informationen (PDF)

Februar

Gertrud Lutz-Fankhauser (1911-1995)

gertrud_lutz.jpgSie betreute als Botschaftergattin in Budapest während des 2. Weltkrieges all jene, die hinter den schützenden Mauern gemieteter Häuser unter der Schweizer Flagge Zuflucht gesucht hatten. Man schätzt, dass das Ehepaar Lutz durch das Ausstellen von Schutzbriefen an die 50‘000 Juden gerettet hat. Nach dem Krieg engagierte sich Gertrud Lutz-Fankhauser als Delegierte der Schweizer Spende in Jugoslawien, Polen und Finnland. Ab 1951 arbeitete sie als Beauftragte der UNICEF u.a. in Brasilien und der Türkei. Kurz vor ihrer Pensionierung übernahm sie die Stelle der Interimsdirektorin der UNICEF Europa in Paris. Für ihre Tätigkeiten in Budapest und der UNICEF wurde sie mit mehreren Ehrungen ausgezeichnet. Nach ihrer Pensionierung engagierte sie sich weiter im Nationalen UNICEF Komitee und wurde erste Gemeindepräsidentin in Zollikofen.

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Januar

Elisabeth Feller (1910-1973)

elisabeth_feller.jpg„Ich muss sagen, dass sehr oft zwei Herzen in meiner Brust schlagen, insofern, als ich von Seite der Industrie aus die Überlegungen kenne, warum das Prinzip des gleichen Lohns für die gleiche Arbeit noch nicht reif ist zur allgemeinen Durchführung, aber auch, dass es umgekehrt vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus absolut dringend notwendig wäre, es durchzusetzen.“

Nach dem Tod ihres Vaters Adolf Feller brach Elisabeth Feller ihr Geografiestudium ab und trat als 21-Jährige in die Geschäftsleitung der Elektronikfirma Feller ein. Zusammen mit ihrer Mutter Emma Feller und erfahrenen Mitarbeitern leitete sie bis zu ihrem plötzlichen Tod 1973 die Firma. Sie vertrat ihr Unternehmen in den Arbeitgeberverbänden der schweizerischen Maschinenindustrie - in der Regel als einzige Frau unter einigen hundert Unternehmern - und kämpfte dort für gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
1947 war Elisabeth Feller Mitgründerin und zugleich erste Präsidentin des Schweizerischen Verbands der Berufs- und Geschäftsfrauen. 1959 wurde sie als erste nicht angelsächsische Frau zur Präsidentin der International Federation of Business and Professional Women. Elisabeth Feller setzte sich nicht nur für die Belange der weiblichen Geschäftsfrauen ein, sie war auch Kunstmäzenin, engagierte sich karitativ etwa als Mitinitiatorin des Pestalozzi Kinderdorfes in Trogen oder beim Albert Schweitzer Spital in Lambarene. Zudem reiste Elisabeth Feller beruflich und auch privat gerne.

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feller_lavaux.jpg
Weinbauern im Lavaux
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Skitour im Fextal

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