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Gosteli-Stiftung - Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung

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Bund Schweizer Frauenorganisationen

Im Rahmen der Landesausstellung 1896 in Genf fand auch der erste Schweizerische Kongress für die Interessen der Frau statt. An der Schlusssitzung wurde eine neunköpfige Kommission ins Leben gerufen, die sich künftig für die Förderung der Interessen der Frauen einsetzen sollte. Drei Jahre später gründeten die Frauenkonferenzen Bern, die Union des Femmes Genève, die Union de Femmes Lausanne und die Union für Frauenbestrebungen Zürich den Bund Schweizerischer Frauenvereine (BSF). Dem Aufruf von Helene von Mülinen zur konstituierenden Gründungsversammlung vom 26. Mai 1900 in Bern folgten neben den vier initiierenden noch 13 weitere Frauenvereine.
Der BSF entwickelte Aktivitäten auf der nationalen und der internationalen Ebene. Schon bald reichte er eine Petition zur Revision des Zivilgesetzbuches ein. Die Erarbeitung von Eingaben und Petitionen zu laufenden Gesetzgebungen in sozialen, rechtlichen, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Fragen wurde in der Folge denn auch zu einer Haupttätigkeit des BSF. In eigenen, ständigen oder temporären Kommissionen, aber auch in Arbeitsgemeinschaften mit Vertreterinnen von Verbänden, die nicht Mitglied im BSF waren, erarbeiteten und formulierten die engagierten BSF-Frauen unzählige Stellungnahmen zuhanden der Behörden, die die Mitarbeit der organisierten Frauen in der Regel auch schätzten. Nach der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) 1928 in Bern übernahm die Zentralstelle für Frauenberufe einen Teil der administrativen Arbeiten, der Rest wurde weiterhin von den Vorstandsmitgliedern des BSF selbst ausgeführt. Später wurde die Zentralstelle für Frauenberufe in das 1943 vom BSF und vierzig anderen Vereinen gegründete Schweizerische Sekretariat für Frauenfragen in Zürich eingegliedert. Erst 1949, nach einer grundlegenden Reorganisation der Vereinstrukturen, erhielt der Dachverband durch die Integration des Schweizerischen Sekretariats für Frauenfragen in den BSF nun eine eigene Geschäftsstelle.
Neben der eigenen Geschäftsstelle führte die Reorganisation 1949 auch noch zu grundlegenden Änderungen in der Struktur der Mitgliedschaft. So wurden die 224 Mitgliederverbände und Einzelmitglieder neu in zwei Kategorien aufgeteilt: In die Gruppe A kamen die gesamtschweizerisch tätigen Frauenvereine und die kantonalen Frauenzentralen sowie jene lokalen Vereine, die keine Möglichkeit hatten, sich einem Verein dieser Kategorie anzuschliessen. A-Vereine erhielten neben einem Sitz im Vorstand und im Arbeitsauschuss auch eine doppelte Stimme an der Delegiertenversammlung. In die Kategorie B hingegen wurden lokale und regionale Frauenvereine oder Privatpersonen eingeteilt, die an der Delegiertenversammlung lediglich eine einfache Stimme hatten. Mit dieser Kategorisierung wollten die Frauen den BSF klarer als Spitzenverband der Frauenvereine etablieren, um so die Interessen der Frauen gegenüber der Verwaltung wirkungsvoller vertreten zu können. Zudem sollte diese neue Struktur den Informationsfluss zwischen den BSF-Kommissionen, den BSF-Vertreterinnen in den eidgenössischen Kommissionen, den Mitgliederverbänden, dem internationalen Frauenrat und den Behörden erleichtern.

BSF-Versammlung 1924

Nach der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 veränderte sich die Situation für den BSF grundlegend. Mit der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen und der „neuen“ Frauenbewegung traten in den 1970er Jahren neue Akteure von gesamtschweizerischer Bedeutung auf die politische Bühne und der BSF verlor seine bisher dominante Stellung als Repräsentation „der“ Frauen auf der gesamtschweizerischen Ebene. Mit einer neuerlichen Reorganisation versuchte sich der Dachverband den neuen Umständen anzupassen. Auch der Name wurde leicht verändert: Aus dem bisherigen Bund schweizerischer Frauenvereine wurde neu der Bund Schweizerischer Frauenorganisationen. Bei den inhaltlichen und strukturellen Neuerungen ist vor allem die Zulassung von Mitgliedern aus Organisationen, die nicht nur aus Frauen bestanden, sich aber für Frauenanliegen einsetzten, erwähnenswert. Durch die Schaffung von Ressorts im Arbeitsausschuss sollte zudem die Präsidentin entlastet werden. Und mit der Festlegung einer Altersgrenze für die Mitarbeiterinnen auf der Geschäftsstelle und die Vertreterinnen in den Kommissionen und des Vorstands hoffte man zudem, eine kontinuierliche Verjüngung des Dachverbandes bewirken zu können.

Dreissig Jahre später vertrat der BSF, dem einst rund 400’000 Mitglieder angehört hatten, immer noch rund 100'000 Frauen. Unter dem Motto Die Zukunft des BSF hat bereits begonnen, fand aus Anlass des 100-Jahr Jubiläums um die Jahrhundertwende erneut eine Reorganisation statt. Jetzt wurde der Vorstand aus den bisherigen Gremien der Geschäftsleitung und des Zentralvorstands gebildet und vom Namen BSF verabschiedeten sich die Frauen der nun alliance F genannten Organisation ganz.
Wie viele Männerorganisationen im 20. Jahrhundert wurde auch der BSF von aussen zu einem grossen Teil über seine herausragenden Persönlichkeiten wahrgenommen. Die Präsidentinnen Helene von Mülinen, Pauline Chaponnière-Chaix, Clara Nef, Gertrud Haemmerli-Schindler, Huguette de Haller-Bernheim oder die Präsidentin des Internationalen Frauenrates Jeanne Eder-Schwyzer,sind nur einige der vielen in der Öffentlichkeit bekannten und im In- und Ausland bekannten anerkannten und einflussreichen Akteurinnen. „Wenn man nur auf die Medien abstellen wollte, könnte man den Eindruck bekommen, als ob sich in der Schweiz 20, vielleicht 30 kompetente Frauen für die Belange der Frauen einsetzten“, heisst es im Jahresbericht des BFS 1983. „Dabei“, fügte die Autorin hinzu, „sind es Hunderte und Tausende“. Dem ist im Zusammenhang mit dem BSF lediglich beizufügen: Hier waren es sogar mehrere Zehn-, wenn nicht gar Hunderttausende.

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